Physiotherapie bei Myasthenia Gravis
Warum Physiotherapie bei Myasthenia Gravis empfohlen wird
Physiotherapie unterstützt Menschen mit Myasthenia gravis dabei, ihre Bewegungsfähigkeit zu erhalten und den Alltag besser zu bewältigen. Ziel ist es, körperliche Funktionen zu verbessern oder möglichst lange stabil zu halten. Dabei erfassen Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten gemeinsam mit Ihnen Ihre aktuelle Situation. Sie betrachten sowohl Ihre individuellen Herausforderungen als auch Ihre persönlichen Ressourcen.
Im Rahmen der Therapie führen die Fachkräfte verschiedene Untersuchungen durch. Dazu zählen zum Beispiel Funktions- und Krafttests. Auf dieser Grundlage erstellen sie einen individuellen Behandlungsplan, der sich an Ihren persönlichen Zielen orientiert und bei Bedarf angepasst wird.
Welche Maßnahmen kommen in der Physiotherapie zum Einsatz?
In der Physiotherapie werden unterschiedliche Methoden kombiniert, damit der Körper ganzheitlich unterstützt wird. Zu den häufig eingesetzten Maßnahmen gehören:
Kraft-, Ausdauer- und Koordinationstraining
Atemtherapie
Entspannungstechniken
Erstellung eines individuellen Eigenübungsprogramms
So entsteht ein ausgewogenes Training, das sich gut in den Alltag integrieren lässt.
Wie Physiotherapie und Bewegung helfen können
Regelmäßige Bewegung und gezielte physiotherapeutische Maßnahmen haben viele positive Effekte. Sie helfen dabei, Vertrauen in den eigenen Körper aufzubauen und die Freude an Bewegung wiederzuentdecken. Außerdem verbessern sie die allgemeine Fitness, was einen besseren Ausgangspunkt bei möglichen Krankheitsverschlechterungen schafft.
Darüber hinaus unterstützen Physiotherapie und körperliche Aktivität dabei, die eigene Körperwahrnehmung zu schulen. So lassen sich persönliche Belastungsgrenzen besser einschätzen. Gleichzeitig fördern sie ein möglichst selbstbestimmtes Leben und können medikamentöse Nebenwirkungen, wie zum Beispiel eine Gewichtszunahme unter Cortison, abmildern.
Viele Betroffene berichten außerdem von weniger Müdigkeit und Erschöpfung. Zusätzlich kann Bewegung die psychische Befindlichkeit positiv beeinflussen, das Immunsystem stärken und das Risiko weiterer körperlicher Erkrankungen senken.
Was ist bei Therapie und körperlicher Belastung zu beachten?
Bei Myasthenia gravis ist ein bewusster Umgang mit den eigenen Kräften besonders wichtig. Deshalb sollten Sie Ihre Energie über den Tag hinweg gut einteilen. Da die Beschwerden tagesabhängig schwanken können, empfiehlt es sich, die Therapie an Ihre aktuelle Verfassung anzupassen.
Ein enger Austausch mit Ihren Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten ist dabei entscheidend. Nur so kann die Intensität der Behandlung sinnvoll angepasst werden. Beachten Sie außerdem, dass Muskeln bei hohen Temperaturen schneller ermüden können.
Sinnvoll ist es, die Therapie in die Zeit der maximalen Wirkung von Pyridostigmin zu legen. Diese liegt in der Regel etwa 1,5 bis 2 Stunden nach der Einnahme von Kalymin® oder Mestinon®.
Sport und Bewegung bei Myasthenia gravis
Grundsätzlich sind viele Sportarten auch für Menschen mit Myasthenie möglich. Wichtig ist jedoch, dass Sie geplante Aktivitäten vorab mit Ihren Physiotherapeutinnen oder ärztlichen Behandlerinnen besprechen. So lassen sich Risiken vermeiden und passende Belastungen finden.
Bewegung in unterschiedlichen Krankheitsphasen
Bei einer milden und stabilen Erkrankung können Betroffene allgemeine Bewegungsempfehlungen befolgen. Ein moderates Training von Kraft und Ausdauer ist möglich. Dabei sollte die Belastung so gewählt werden, dass Sie sich noch gut unterhalten können – frei nach dem Prinzip „Laufen ohne Schnaufen“.
In Phasen einer Verschlechterung oder bei einer myasthenen Krise steht hingegen die Atemtherapie im Vordergrund. In dieser Zeit treten Übungen für Kraft und Ausdauer in den Hintergrund, damit der Körper nicht zusätzlich belastet wird.
Warnzeichen während oder nach dem Training
Achten Sie aufmerksam auf Signale Ihres Körpers. Dazu zählen zum Beispiel:
Kurzatmigkeit bei Belastung
eine deutliche Verschlechterung der Symptome während des Trainings
anhaltende Müdigkeit länger als zwei Stunden nach den Übungen
starker Muskelkater am folgenden Tag
Treten diese Anzeichen auf, sollte die Belastung angepasst oder pausiert werden.
Weitere Informationen und Unterstützung
Weitere Informationen erhalten Sie bei der Deutschen Myasthenie Gesellschaft e. V. sowie in den integrierten Myasthenie-Zentren. Dort finden Sie kompetente Ansprechpartner und weiterführende Unterstützungsangebote.
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